
Abuja (epd). Angesichts der Abschiebung Hunderter Flüchtlinge von Kamerun nach Nigeria haben die UN beide Länder aufgerufen, sich an geltende Vereinbarungen zu halten. Es sei eine freiwillige „Rückkehr in Würde und Sicherheit“ vereinbart worden, sagte der Vertreter des UN-Flüchtlingskommissars in Westafrika, Volker Turk, am Montag in Nigerias Hauptstadt Abuja. Doch dies sei derzeit nicht möglich. Durch die militärischen Operationen im Grenzgebiet seien die Rückkehrer nicht sicher, betonte der Österreicher. Zudem mangele es den Städten und Gemeinden in Nigeria an Infrastruktur, um die rückkehrenden Flüchtlinge zu versorgen. „Wir sind nicht an dem Punkt, wo die Menschen zurückkehren können. Das ist ganz klar.“
Ende vergangener Woche waren fast 900 nigerianische Flüchtlinge aus Kamerun abgeschoben worden. Sie alle waren aus dem Nordosten Nigerias vor dem Terror der islamistischen Miliz Boko Haram geflohen. Nigeria und Kamerun hatten sich im März unter UN-Vermittlung auf eine Rückführung von etwa 80.000 nigerianischen Flüchtlingen aus Kamerun verständigt.
Rückkehr könne jedoch nicht heißen, dass Flüchtlinge von Lagern in Kamerun einfach in Lager in Nigeria abgeschoben würden, betonte Turk. Die Rückführung sei in erster Linie eine humanitäre Aufgabe und dürfe nicht politischen oder militärischen Überlegungen unterliegen. Nach Berechnungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR werden etwa 170 Millionen US-Dollar benötigt, um die ankommenden Flüchtlinge zu versorgen.
Laut dem UNHCR werden Geflohene, die im kamerunischen Lager Minawao leben, teilweise auf Lkw geladen und auf nigerianischer Seite sich selbst überlassen in einer Region, in der Boko Haram aktiv ist. Einige Flüchtlinge würden ohne ihre Kinder abgeschoben. In Kamerun haben in den vergangenen Jahren Hunderttausende Nigerianer Zuflucht vor Boko Haram gefunden.
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